Rückgaben bei Amazon – ein heißes Eisen

Es gibt kaum ein Thema, das bei Indie Autoren so heiß diskutiert wird, wie die Rückgaben.
Kein Wunder, dass die Nachricht von einem Kunden, den Amazon wegen einer auffällig hohen Rücksendequote gesperrt hatte, in Windeseile die Runde gemacht hat und von vielen Indies begeistert beklatscht wurde.
Ich gehöre zur anderen Fraktion. Meine Rückgaben liegen regelmäßig deutlich unter 5% und damit kann ich gut leben. Ich möchte gar nicht, dass jemand gezwungen wird,mein Buch zu behalten, wenn es ihm nicht gefällt und ich denke, dass viele eben tatsächlich ein Buch mehr bestellen, weil sie wissen, dass sie es zurückgeben können, wenn es ihnen nicht gefällt.
Nun argumentieren die, die sich über Rückgaben ärgern, dass es schließlich den Klappentext und die Leseprobe gibt und der Leser sich gefälligst vorher ein Bild vom Schreibstil des Autors machen soll.
Nun wäre Amazon nicht so groß geworden, wenn man die Kunden so behandelt hätte. Kundenservice wird bei Amazon groß geschrieben - Kundenservice hat Amazon groß gemacht und unterm Strich profitieren wir Indies doch davon, dass Amazon so groß ist.
Warum also sollten wir uns gegen das Erfolgsrezept auflehnen, in die andere Richtung marschieren und den Kundenservice zu Grabe tragen wollen?
Keine Frage - wenn jemand grundsätzlich retourniert, dann gehört er ausgeschlossen und genau das hat Amazon jetzt scheinbar durchgezogen.
Völlig zu Recht!
Aber die Forderungen vieler Indies gehen deutlich weiter: gar keine Rückgaben anbieten, Rückgaben nur innerhalb der ersten fünf Minuten anbieten usw. Und das halte ich für den völlig falschen Weg.
Sieht man sich die Retourenquoten im Textilhandel an, liegen diese bei teilweise bis zu 50%.
Dann kann ich mit meinen <5% sehr gut leben, ohne mich darüber zu echauffieren. Ein Aspekt, der vielen Indies vielleicht gar nicht klar ist. Wenn ich ein 30 Seiten Büchlein habe und das Impressum, vielleicht noch eine Danksagung und das Inhaltsverzeichnis an den Anfang stelle, bringt die Leseprobe gar nichts, denn der Leser bekommt eben nichts zu lesen, weil die ersten drei Seiten nichts über den Inhalt sagen. So wurde im Amazon KDP Forum gerade über einen Gedichtband diskutiert, bei dem gerade das der Fall war. Ein Gedicht, bei dem man sich ein Bild von den Gedichten machen kann, die einen erwarten, hat man in der Leseprobe vergeblich gesucht - dafür konnte man die Danksagung an Oma, Opa und alle anderen Weggefährten lesen. Hier kauft der Leser also ganz klar die Katze im Sack. Würde man ihm das Recht entziehen, das Buch zurückzugeben, würden sich manche Leser sicher überlegen, ob sie das Risiko eingehen. So kaufen sie und wenn der Autor überzeugen kann, werden die meisten es auch behalten. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber die hat Amazon ja nun im Visier und die anderen, die zurückgeben, weil sie sich etwas anderes vorgestellt haben, sollte man nicht vor den Kopf stoßen, sonst verlieren sie in Zukunft die Lust auf unbekannte Autoren, die sie erst einmal kennenlernen wollen.